 ##  [Schusspunkt-Navigation](/de/node/50556) 

 Definition

Der Prozess und die Methoden zur Bestimmung, Aufzeichnung und Zuordnung genauer geografischer Positionen zu einzelnen seismischen Quellereignissen (Shotpoints) in aktiven marinen seismischen Untersuchungen, wobei Schiff-GNSS/INS-Positionen, Sensorversätze, Zeitstempel und Aufnahmegeometrie integriert werden, sodass jeder Schuss einer räumlichen Koordinate im Vermessungsbezugssystem zugeordnet ist.

 

 

 

 

 

 





## Prinzip

Prinzip

Jedes abgefeuerte Quellereignis durch Kombination zeitgestempelter Navigationslösungen, bekannter Hardwareversätze und zeitlicher Synchronisation einer konsistenten räumlichen Koordinate zuzuordnen und dabei die Positionsunsicherheit zu propagieren und zu dokumentieren.

 

 

 

 

 





## Demonstration

Demonstration

Illustratives Beispiel: Bei einer Mehrkanal-Seismik-Kampagne werden alle 10 s Luftkanonen ausgelöst, während das Schiff Streamer zieht. GNSS liefert die Antennenposition des Schiffs; die Schleppgeometrie, der Versatz des Kanonenpakets und die Position der Streamerköpfe werden verwendet, um den Shotpoint an der nominalen Quellposition zu berechnen. Zeitstempel des Seismikrekorders werden mit GNSS-Zeit korreliert, um jedem Schuss eine Koordinate zuzuweisen; Korrekturen für Heave, Roll und Yaw werden angewandt. Die verbleibende Unsicherheit wird als horizontale und vertikale Fehlerellipse ausgewiesen.

 

 

 

 

## Fehlanwendung

Fehlanwendung

Die Verwendung roher Antennen-GNSS-Fixes als Shotpoint ohne Anwendung gemessener Versätze für das Kanonenpaket und Rekorderzeitverzögerungen oder das Ignorieren der Schiffsbewegung und Heave führt zu falsch lokalisierten Shotpoints und verzerrt die Quell-Empfänger-Offsets.

 

 

 

 

 





## Konsequenz

Konsequenz

Richtig angewandt liefern Shotpoint-Navigation genaue Quellkoordinaten, die korrektes Stacking, Geschwindigkeitsanalyse und Bildgebung von Untergrundreflektoren ermöglichen und die konsistente Integration mit Bathymetrie und geologischen Kontrollpunkten erlauben; Unsicherheitsabschätzungen ermöglichen die realistische Fehlerfortpflanzung in der Interpretation.

 

 

 

 

## Umkehrung

Umkehrung

Shotpoints nur den nominalen, geplanten Positionen (Rasterpunkte oder geradlinige Mittelpunkte) ohne tatsächliche Navigationsdaten zuweisen kehrt das Konzept um: Positionen werden angenommen statt beobachtet, was systematische entlang Track Verzerrungen und verschlechterte Bildqualität in Bereichen mit Kursabweichungen und Manövern hervorruft.

 

 

 

 

 





## Abgrenzung

Abgrenzung

Gilt speziell für aktive marine seismische Datenerfassung und die Georeferenzierung einzelner Schüsse; ausgenommen sind passive seismische Ereignislokalisierungen, terrestrische seismische Kampagnen mit anderen Versatzkonventionen und nachträgliche Umlokalisierungen, die Koordinaten für synthetische Modellierung verändern anstatt gemessene Positionen zu repräsentieren.

 

 

 

 

 





## Semantische Spannung

Semantische Spannung

Spannungsfeld besteht zwischen der Definition eines Shotpoints als physikalischem Ort der Energiequelle (Kern des Kanonenpakets, korrigiert um Versätze) und der Definition als zeitgestempelte Antennenposition des Aufnahmegeräts; zur Vermeidung von Mehrdeutigkeiten bei Quell–Empfänger-Offset-Berechnungen sind explizite Versatz- und Zeitkonventionen erforderlich.

 

 

 

 

 





## Synthese

Synthese

Shotpoint-Navigation verbindet zeit-synchronisierte Navigationsdaten, Instrumentenversätze und Schiffsbewegungskorrekturen zu schussspezifischen Geolokalisierungen mit quantifizierter Unsicherheit; sie ist die operative Brücke zwischen rohen GNSS/INS-Traces und präzisen Quellenkoordinaten für verlässliche marine Seismik.