Definition
Ein lipidbasierter Paläothermometer-Proxy, der auf der relativen Verteilung von Glycerol-Dialkyl-Glycerol-Tetraethern (GDGTs) beruht, die hauptsächlich von marinen Thaumarchaeota produziert werden; der TEX86-Index (TetraEther indeX der 86-Kohlenstoff-Atome) wird empirisch gegen die Meeresoberflächen- oder obere Wassersäulentemperatur kalibriert und dient zur Abschätzung früherer Ozeantemperaturen aus sedimentären GDGT-Assemblagen.

Prinzip

Prinzip
Die relative Häufigkeit bestimmter GDGT-Homologe variiert systematisch mit der Wachstumstemperatur der archäischen Produzenten, sodass ein aus ihren relativen Konzentrationen abgeleiteter Index nach empirischer Kalibrierung und Ausschluss nicht‑thermischer Einflüsse mit der Umgebungstemperatur korreliert.

Demonstration

Demonstration
Rekonstruktion von paläogenen Oberflächentemperaturen aus Tiefseekernen: Kern‑Top‑Kalibrierungen zeigen eine positive Korrelation zwischen TEX86 und der modernen jährlichen mittleren SST; Abwärtswerte von TEX86 während eozäner Abschnitte werden bei hinreichender marin‑vs‑terrestrischer Entkopplung als Erwärmung interpretiert.

Fehlanwendung

Fehlanwendung
Die Anwendung einer globalen TEX86–SST‑Kalibrierung in Bereichen mit starker subsurface archaealer Produktion, hohem terrestrischem GDGT‑Eintrag, großem Anteil von GDGT‑0 oder in geschlossenen Seen ohne spezifische See‑Kalibrierung; oder die Behandlung von TEX86‑Werten als exakte Temperaturen ohne Berücksichtigung von Kalibrierungs- und Filterunsicherheiten.

Konsequenz

Konsequenz
Bei korrekter Anwendung mit Screening (z. B. BIT‑Index, %GDGT, Ring‑Index) und geeigneter Kalibrierungswahl liefert TEX86 kontinuierliche quantitative Temperaturabschätzungen in Intervallen, in denen andere organische Proxys (z. B. Alkenone) fehlen, und erweitert so Temperatur- und Schichtungsrekonstruktionen.

Umkehrung

Umkehrung
Das Gegenkonzept ist die Alkenon‑UK'37‑Paläothermometrie, die SST aus den Doppelbindungsverhältnissen der von Coccolithophoren produzierten Alkenone ableitet und auf andere Habitate/Saisons anspricht; divergierende Signale zwischen TEX86 und UK'37 können Habitat- oder Saisonalitätseffekte anzeigen.

Abgrenzung

Abgrenzung
Gilt überwiegend für marine oder randmarin Sedimente mit detektierbaren marinen GDGTs; eingeschränkt bei dominierendem terrestrischem GDGT‑Eintrag, in vielen Polarregionen mit geringer GDGT‑Produktion, in diagenetisch geprägten Kernen oder in Seen/Ästuaren ohne geeignete Kalibrierung.

Semantische Spannung

Semantische Spannung
TEX86 steht im Wettbewerb mit anderen Paläothermometern (UK'37, Mg/Ca, Clumped‑Isotope); da es die archäische Lipidökologie abbildet, kann es subsurface- oder saisonal verzerrte Temperaturen widerspiegeln, was eine Spannung zwischen Temperaturinterpretation und Habitat/Saisonalitätsdeutung erzeugt.

Synthese

Synthese
TEX86‑Paläothermometrie ist ein GDGT‑basierter Index zur Rekonstruktion vergangener mariner Temperaturen; seine Aussagekraft hängt davon ab, biologische Quellen und nicht‑thermische Einflüsse zu erkennen, terrestrische Einträge und Diagenese auszuschließen und TEX86 mit komplementären Proxys zu kombinieren, um Temperatur, Habitat und Erhaltungszustand zu trennen.